Langsam merke ich wie die Tür sich schließt.

Danach wird sie für immer und ewig geschlossen sein.

Ohne Vergangenheit kann es keine Zukunft geben. Und wenn die Vergangenheit meint die Zukunft zu überholen. Gabe es dann eine Vergangenheit, oder gibt es nur eine Zukunft ohne Vergangenheit? Ist die Vergangenheit ein Spiegel der Zukunft, in den ich blicke? Oder ist die Zukunft der Spiegel der Vergangenheit?

Vielleicht ist es doch nur dieses Hamsterrad…

Ja mein Freund, komm setz dich zu mir und lass uns reden und einen Becher gemeinsam trinken. Bitte ziehe deine Kapuze noch nicht ab, noch ist die Zeit nicht gekommen mir dein Gesicht zu zeigen, obwohl es mir unterdessen bekannt und immer vertrauter erscheint. Erinnerst du dich noch an unseren ersten Becher? Die Sterne spiegelten sich darin. Wir haben damals schon sehr lange zusammengesessen, redeten ohne das irgendein Wort deine oder meine Lippen verlies. Ich begriff damals, das du, mein Freund, zu meinem Begleiter in die Zukunft werden würdest und du, als Einzigster, mich nicht im Stich lassen würdest und mich immer begleiten wirst. Nein, nicht wie ein Schatten kommst du mir vor. Eher wie jemand der sanft seine Hand auf meine Schulter legt. Lass uns trinken… Weisst du, der erste Becher schmeckte bitter, aber jetzt. Ich würde gerne von dir wissen und lernen, warum jeder Becher den wir gemeinsam leeren süßer und wärmer wird, obwohl es um mich kälter und kälter wird. Nein, lass die Kapuze auf noch ist nicht die Zeit. Noch nicht…..

wenn ich in den spiegel schaue, wen oder was sehe ich?

sehe ich mich? sehe ich einen fremden? sehe ich meine zeit und mein leben? sehe ich den kleinen fleck, der vielleicht wieder etwas größer wird?

sehe ich meine augen flackern, leuchten oder sind sie erloschen, ausdruckslos, resigniert?

vielleicht sehe und erkenne ich mich doch in diesem spiegelbild wieder, auch wenn sich dieses bild im laufe der jahre geändert hat.

und vielleicht werde ich mich niemals wieder so sehen.

ja – plötzlich steht er da, vor mir und schaut mich an. seine kapuze tief ins gesicht gezogen. nur seine augen funkeln, nein, sie glühen. in diesem glühen vereinigen sich alle welten zu einem einzigen kosmos der unendlichkeit. wie gerne verliere ich mich, reise auf diesem strahl in die undendlichkeit. obwohl? auch diese reise in die schiere unendlichkeit hat ein ende. vielleicht meines? es ist immer noch diese glut in diesen augen, und diese glut kommt immer näher.

langsam… schritt für schritt dem ende entgegen… da es nie einen anfang gab kann es logischerweise auch kein ende geben!

aber trotzdem wird es zu ende gehen. einfach aus jeglicher existenz gelöscht werden.

gelöscht aus der erinnerung, aus gedachten und ungedachten gedanken.

gelöscht mit worten, die tief getroffen und verletzt haben, die ausgesprochen und verschwiegen wurden.

gelöscht aus den gefühlen, die vielleicht niemals ausgesprochen, gefühlt oder gelebt wurden.

gelöscht aus der zeit, die vergangen ist und sowieso vergeudet war und ist.

einfach zu ende.

Ja, ich habe aufgegeben.

Ansich sollte man die Hoffnung nie aufgeben, die stirbt ja bekannterweise zuletzt.

Aber wenn sie gestorben ist?

Hoffnung ist etwas an dem man sich ab und zu festhalten kann, aber wenn sie tot ist???

Da steht steht dieser kleine Junge, wartend und plötzlich wird aus dem Warten bittere,

sehr bittere Realität, aus der es wie aus dem Warten kein Entrinnen mehr gibt.

Er dreht sich im Kreis, oder wie der Hamster , der läuft, dumm oder auch nicht (weil er

vielleicht laufen muss) im nicht endenden Rad. Alpha und Omega.

Kein Anfang und somit kein Ende. Aber vielleicht ist das Omega doch bald erreicht!

Einmal nur noch – ein freundlicher Blick.

Einmal nur noch – ein freundliches Wort.

Einmal nur noch – eine Umarmung.

Einmal nur noch – den Sonnenuntergang geniessen.

Einmal nur noch – die Wärme statt Kälte spüren.

Einmal nur noch – die Flasche mit Freunden leeren.

Einmal nur noch – die Saiten einer Gitarre unter den Fingern spüren.

Einmal nur noch – die vertrauten Stimmen der Kinder hören.

Einmal nur noch – alles an sich vorbeiziehen lassen und sich fragen: War es das?

Und dann?

Nur noch einmal tief Atem holen und dann loslassen woran man hing …

 

UND DANN ???

Dann steht plötzlich der da, der fragt: War es das wert?

Vielleicht sind Erinnerungen ja nur die Einleitung des Abschiednehmens vom Dasein (zumindest der Form des Daseins, das jeder als eigene Person wahrnimmt bzw. wahrnehmen will). Erinnerungen sind Rückblenden, Reflektionen des Gewesenen, verbrähmt mit der Lichtgestalt des Vergessenen, wobei das Vergessene zur Glorifizierung der jeweiligen Erinnerung beiträgt.

Ja, es ist Abschiednehmen. Mit jeder Erinnerung wird mir bewußter, das die Zeit vergangen ist und weiter vergeht. Kein Stillstand… Nein, sie läuft ab. Unaufhaltsam rinnt sie mir durch die Finger, nichts wird bleiben ausser den Erinnerungen.

Wie passend, der einsame Geher auf seinem Weg. Das Bild war komischerweise als Standard-Headerbild installiert und hat mich gleich an die momentane Situation erinnert.

Was für ein Zufall aber auch…

 

Also der Geher ist verschwunden… Passend zum Jahr 2012…

Ein Gedanke kam heute (auf einem Spaziergang mit dem und Hund und als Verena eine Bemerkung zu 2012 machte):

 

Vielleicht geht ja die Welt gar nicht 2012 unter, sondern sie ist schon längst untergangen und wir haben das noch  gar nicht bemerkt.

 

Na toll… Super Aussichten, bzw. Nachsichten. Schon zu spät, schon das ‚Pech gehabt am großen Zeh‘ (Zitat: Konstantin Wecker)-

Kategorien

Artikel

Oktober 2019
M D M D F S S
« Okt    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031